Fußballer gegen Rassismus

Alle Welt ist im Fußballfieber - zumindest ganz Europa. Grund genug jedenfalls, um parallel das für Viele so unangenehme Thema “Rassismus im Fußball” auf den Tisch zu bringen. Auf der offiziellen UEFA EURO 2008-Seite ist dazu folgendes zu lesen:

Während der UEFA EURO 2008™ haben vier ehemalige Fußballprofis in einer gemeinsamen Gesprächsrunde über ihre Erfahrungen und ihre Begegnungen mit dem Rassismus im Laufe ihrer aktiven Karriere berichtet.

Gesprächsrunde
Yves Eigenrauch, Ramon Vega, Paul Elliott und Anthony Baffoe, die sich als Botschafter für das Netzwerk Fußball gegen Rassismus in Europa (FARE) engagieren, nahmen im Zuge der Europameisterschaft an einer Gesprächsrunde zum Thema Rassismus teil. Das Gespräch war Teil einer Aktion gegen die Diskriminierung von Spielern. Die Kampagne wird von der FARE koordiniert und sie wird während des gesamten Turniers von der UEFA sowie von den Spielern der FIFPro (einer Organisation professioneller Fußballspieler) aktiv unterstützt.

Werbespot im TV
Das Projekt wird einen Werbespot mit der Botschaft “Unterschiedliche Sprachen – Ein Ziel: Nein zum Rassismus” beinhalten, der auch bei jedem EM-Spiel zu sehen sein wird. Der Film ist eine Co-Produktion der Europäischen Kommission und der UEFA. Vor allem durch Werbebanden sowie durch Aktivitäten für die Fans soll auf die Aktion aufmerksam gemacht werden. In den zwei Halbfinalspielen wird die Kampagne ihren Höhepunkt erreichen, wenn die vier Mannschaftskapitäne direkt auf dem Spiel anti-rassistische Botschaften verkünden werden.

Gefühl der Ausgrenzung
In seiner ereignisreichen Laufbahn war Vega der Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft und er galt in seiner Zeit bei Tottenham Hotspur FC als einer der Stars in der englischen Premier League. Über seine aktive Karriere sagt er: “Ich habe in England, in Schottland, in Frankreich und in Italien gespielt. In allen Ländern habe ich Diskriminierungen miterlebt. Vor allem in Großbritannien galt ich immer als Ausländer, wodurch ich mich immer ausgegrenzt gefühlt habe. In Italien musste ich auch Beschimpfungen von den Fans und von anderen Spielern ertragen. Aber der Fußball hat auch seine schönen Seiten. Ich bin hier, um zu zeigen, was für ein wunderschöner Sport der Fußball ist. Ich möchte helfen, die Menschen zusammen zu bringen und dann gemeinsam gegen den Rassismus anzukämpfen.”

Weiter eng zusammenarbeiten
Der frühere Verteidiger Elliott, der in seiner aktiven Karriere für Chelsea FC, Celtic FC und den AS Bari aktiv war, sagte: “Das Problem Rassismus wächst mit jedem Spiel. Aber wir müssen weiter auf die Fairness bestehen und diese durchsetzen. Über seinen Kontakt mit dem Rassismus sagt er: “Ich war ein Teil der ersten Generation von schwarzen Spielern in Großbritannien. Uns wurden schlimme und verachtende Beschimpfungen entgegen gebracht. Das Werfen von Bananen mussten wir fast jeden Tag miterleben. Mittlerweile hat sich dieser Zustand gebessert, aber die Spieler und die Agenturen wie FARE müssen weiter eng zusammenarbeiten, um die Situation im Fußball weiter zu verbessern.”

Rassismus bekämpfen
Anthony Baffoe aus Ghana, der in seiner aktiven Karriere beim 1. FC Köln spielte, fügte hinzu: “Während meiner Zeit in Deutschland habe ich den Rassismus mit Humor und Ironie bekämpft. Manche Fans haben diese Art gemocht, andere weniger. Aber ich habe mir dadurch Respekt erarbeitet. Man muss sich heute nur mal die führenden Spieler in Europa ansehen. Viele der besten Spieler stammen aus Afrika.” Baffoe war in vielen verschieden Ländern aktiv und kann durch seine große Erfahrung gut darüber informieren, wie sich der Rassismus in den vielen verschiedenen Teilen der Welt unterscheidet.

Noch ein weiter Weg
“Nach der letzten [UEFA] Europameisterschaft in Portugal hatten wir gehofft, bis zum nächsten Turnier einige Fortschritte machen zu können,” sagt Piara Powar, Direktor der britischen Anti-Rassismus-Organisation Kick It Out. “Nun bin ich sehr glücklich sagen zu können, dass wir unser Netzwerk in den letzten vier Jahren auf dem gesamten Kontinent ausgebaut haben und dass wir mittlerweile in 38 Ländern aktiv sind. Viele Ziele haben wir erreicht, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns, um dem Rassismus komplett aus Spiel zu vertreiben.”

Hier der offizielle Spot:

Nun wird (durchaus berechtigt) gerne kritisiert, dass viel geredet, aber zu wenig getan wird - vor allem in der direkten Fanarbeit. Ein positives Beispiel haben wir dem aktuellen Newsletter der Amadeu Antonio Stiftung entnommen:

(…) Fußball ist nicht nur ein Sportereignis, sondern auch Projektionsfläche für menschenfeindliche Einstellungen: “Eine U-Bahn, eine U-Bahn bauen wir von Mönchengladbach bis nach Auschwitz…” Dieses abstoßend antisemitische Lied stimmen Fußballfans regelmäßig bei den An- und Abreisen zu den Spielen an, um die Fans der gegnerischen Mannschaft als Juden zu beschimpfen. Ausgehend von einer bisher fehlenden Auseinandersetzung mit den Inhalten des “Auschwitzliedes” in den Fankreisen hat der in Nordrhein-Westfalen ansässige Verein “dem Ball is’egal wer ihn tritt” ein Pilot-Projekt gestartet: Eine mehrtägige Fahrt zum ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz – mit Fans aus unterschiedlichen Vereinen. Zielgruppe sind junge Fans im Alter zwischen 14 und 26, die als Multiplikatoren in die eigene Fanszene hineinwirken sollen. Bodo Berg von “dem Ball is’ egal wer ihn tritt” hält das Projekt für sehr einflussreich: “Die Botschaft ist angekommen. In Deutschland so wie in Polen. Es hat nicht nur die 25 Jugendlichen, die an der Fahrt teilgenommen haben, erreicht, sondern Dank der Multiplikatoren viele weitere Fans.” Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt besonders die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Rechtsextremismus im Anschluss der Fahrt in den lokalen Vereinen und in der Fanszene.

Erfreulicherweise gibt es weitere engagierte Vereine, Initiativen und Menschen, die mit viel Einsatz und Mühe gegen jegliche Form von Rassismus und Antisemitismus im Fußball arbeiten. Ihr dürft an dieser Stelle gerne entsprechende Links posten!

Quellen: euro2008.uefa.com / amadeu-antonio-stiftung.de

Weitere Infos: FAREnet.org / amadeu-antonio-stiftung.de

Ein Kommentar


  1. [...] unberechtigt, solange Michel Platini mit seinem Fussballverband beispielhaften Initiativen, die gegen Rechts- und Linksextremismus (eben auch gegen Antisemitismus) aktiv sind, unter die Arme [...]

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