Polizeigewalt in Österreich

Michael B. / Foto: Kurier/Boroviczeny

Michael B. / Foto: Kurier/Boroviczeny

In der vergangenen Woche entfachte der “Fall Mike B.” in unserem Nachbarland eine erneute Diskussion über Polizeigewalt gegenüber Afros in Österreich. Der Lehrer Mike B. war von zwei Polizisten in Wien verprügelt worden. Grund für den brutalen Übergriff war paradoxerweise eine Verwechslung - die Zivilbeamten hielten Mike B. für einen Drogendealer. Ihr mehr als grobes Vorgehen ist damit jedoch nicht zu rechtfertigen. Ohne sich auszuweisen, hatten sich die Beamten auf Mike B. gestürzt, als dieser aus der U-Bahn stieg, drückten ihn zu Boden und schlugen auf ihn ein. Er erlitt schwere Prellungen und musste mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden. Auch seine Freundin wurde, bei dem Versuch zu helfen, leicht verletzt.

Nach Aussagen der Geschädigten gaben sich die Beamten erst nach Minuten als Polizisten zu erkennen. Entsprechend bezeichnete der Anwalt von Mike B. die Stellungnahme seitens der Polizei als “Zynismus”. Die Behörde hatte erklärt, dass “durch Einhaltung der Mitwirkungspflichten seitens der Betroffenen an der Klärung des Sachverhalts ein derartiger Irrtum rasch geklärt werden kann”. Nach Meinung des Anti-Rassismus-Vereins ZARA sei dies der typische Versuch einer Umkehr des Täter-Opfer-Verhältnisses, man wolle Mike B. eine Mitschuld zuschieben.

Das Vorurteil “Schwarz = kriminell” sei überall zugegen, lautet derweil der Tenor aus der Black Community in Österreich. Vor allem in der letzten Zeit hätten sich die “Vorfälle” gehäuft und Schwarze würden unverhältnismäßig stark von der Polizei kontrolliert.

Wir möchten den Vorfall an dieser Stelle nicht weiter kommentieren und greifen stattdessen die mehr oder minder konstruktive  Meinung eines Users aus dem österreichischen Portal “tt.com” auf:

Vorschlag zum Thema “Mitwirkungspflicht”: Unterstützen Sie unsere Polizei - (und verprügeln Sie sich selbst…)

Mehr Infos:

3 Kommentare


  1. [...] Hier ein Blogeintrag darüber im Brothers Keepers Blog [...]


  2. Vor fast einem viertel Jahrhundert, damals noch als Jugendlicher, bin ich Zeuge geworden, wie mein älterer Bruder in der Innenstadt von Thun (Schweizer Provinzkaff) von zwei Kantonspolizisten gepackt und zum fixieren brutal auf die Motorhaube des Streifenwagens gedrückt wurde. Das geschah an einem Samstagnachmittag in der belebten Fussgängerzone. Gewaltsam haben die beiden Polizisten meinem Bruder sein Portemonnaie aus der Hosentasche gerissen, um seine Personalien festzustellen (ist illegal). Als sie dann die (Schweizer) Identitätskarte sahen und merkten, dass sie die falsche Person gepackt hatten, liessen sie, mit der lapidaren Bemerkung “Wir haben Sie verwechselt”, von ihm ab. Danach stiegen sie ins Auto und fuhren davon. Kein Wort der Entschuldigung. Mein Bruder, der nichts getan hatte, was ein solches Vorgehen der Polizei gerechtfertigt hätte, hatte danach Blessuren im Gesicht und am Oberkörper. Die ganze Szenerie dauerte kaum länger als eine Minute.

    Wenn solche Erfahrungen Bestandteil des Erfahrungsschatzes sind, nimmt man in der Folge die Polizei schon als Bedrohung war. Bei mir ist das jedenfalls so. Als ich vor wenigen Monaten hier in Basel mitten in der Nacht auf dem Nachhauseweg von vier(!) PolizistInnen angehalten wurde, empfand ich das als derart nötigend, das ich das Gefühl hatte, ich klappe vor lauter Stress zusammen und werd ohnmächtig. Der Wortführer stellte sich vor mich hin, verlangte meinen Ausweis und hörte auch dann nicht auf, mit mir Hochdeutsch zu sprechen, als er meine Schweizer Identitätskarte sah. Die anderen drei haben mich richtig “umzingelt”. Einer auf der Seite, zwei hinten und standen in einem Abstand von etwa einem Meter von mir weg. Zu alledem hatten sie dann noch Probleme bei der Identitätsüberprüfung. Irgendwie haben sie es nicht auf Anhieb geschafft, eine Funkverbindung zu ihrer Zentrale herzustellen und auch mit dem Handy klappte es nicht. So dauerte diese, für mich bedrohliche Situation mehr als fünf Minuten. Ich stand völlig steif und verkrampft da, aus Angst, dass wenn ich mich bewege, die PolizistInnen das fehlinterpretieren könnten und mich packen würden. Nachdem ich auch noch den Inhalt meines Rucksackes zeigen musste durfte ich endlich gehen. Das “noch eine schöne Nacht!” das mir der wortführende Polizist hinterher rief empfand ich als blanken Hohn.

    Die haben keine Ahnung, was sie da tun und wie sich eine PoC in einer solchen Situation überhaupt fühlt. Die Unschuldsvermutung gilt halt wirklich nur für weisse Menschen. Da erstaunt es mich nicht im geringsten, dass in Frankreich gelegentlich und immer wieder Autos in Flammen aufgehen und es zu Krawallen kommt.

    Da gibt es noch viel Handlungsbedarf, grenzübergreiffend!!!


  3. Ich habe es gerade erst gelesen und bin echt geschockt. Allerdings weiß ich von ehemaligen Kollegen bei der UN, dass Wien kein angenehmer Ort zum Leben ist. Ich wurde vor Jahren bei einer Klassenfahrt nach München auch von Polizisten nach meiner Aufenthaltsgenehmigung gefragt. Selbst als ich akzentfrei auf deutsch geantwortet habe, wurden die nicht hellhörig. Ohne Worte. Von einer befreundeten Polizistin weiß ich, dass es eigentlich genügend Weiterbildungen für Polizisten gibt. Aber wirkt ganz offensichtlich nicht.

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