Am gestrigen Donnerstag fand der vom “Multikulturellen Zentrum Dessau” jährlich organisierte “Tag der Erinnerung” an Alberto Adriano im Dessauer Stadtpark statt. Das Programm enthielt ua eine szenische Lesung auf Basis der Informationen aus den Protokollen der Gerichtsverhandlung und Aussagen der Täter. Auf eine erschreckende Weise wurden die unfassbaren Geschehnisse in der Nacht vom 10. Juni auf den 11. Juni 2000 erneut lebendig. Alberto Adriano wurde in jener Pfingstnacht auf brutalste Art und Weise von drei jungen Neonazis ermordet.
Als Reaktion auf den Mord initiierte Adé Bantu das Musikprojekt Brothers Keepers, indem er zahlreiche Künstler versammelte, um mit der Single “Adriano (Letzte Warnung)” ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Parallel wurde der gleichnamige Verein gegründet.
Alberto Adriano Gedenkstätte (2008) / Foto: mut gegen rechte gewalt/Kulick
Anfang März wurde im Dessauer Stadtpark die Gedenkstätte für “Alberto Adriano” beschädigt. Nach einem Hinweis erstatteten Mitarbeiter des Multikulturellen Zentrum Dessau eV Anzeige. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Alberto Adriano wurde an Pfingsten 2000 in Dessau von drei Neonazis brutal zusammengeschlagen und starb an den Folgen seiner Verletzungen. Er hinterließ eine Ehefrau und drei Kinder - eine Familie, die nicht nur lernen musste, ohne Vater und Ehemann zu leben sondern zugleich verstehen musste, dass er einzig und allein starb, weil er ein Schwarzer war.
Die Ermordung von Alberto Adriano war die Initialzündung für Brothers Keepers. Der Musiker und Aktivist Adé Bantu versammelte im Herbst 2000 Künstler und Gleichgesinnte, um in Gedenken gemeinsam die Single “Adriano (Letzte Warnung!)” aufzunehmen und parallel einen Verein zu gründen, der sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus wendet.
Das Mulitkulturelle Zentrum Dessau veranstaltet seit dem tödlichen Übergriff auf Alberto Adriano jährlich einen “Tag der Erinnerung” im Stadtpark Dessau, dem Ort des Geschehens. In diesem Jahr findet der Tag am 11. Juni 2009 statt.
“Freispruch mangels Beweisen” lautet das Urteil im Prozess um den Tod von Oury Jalloh (klick HIER), der im Januar 2005 unter mysteriösen Umständen in Dessauer Polizeigewahrsam verbrannte. Laut Gericht gab und gibt es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die beiden angeklagten Polizisten den Tod Jallohs vorsätzlich herbeigeführt hätten. Es ist beinahe Hohn, dass der Film zum Fall Oury Jalloh vor wenigen Tagen mit dem “Deutschen Menschenrechts-Filmpreis 2008″ ausgezeichnet wurde (klick ouryjalloh-derfilm.de).
Teaser “Oury Jalloh - Der Film”
Nach der Urteilsverkündung brachen im und vor dem Gericht Tumulte aus - Unverständnis und Enttäuschung auf Seiten der Freunde, Bekannten und Demonstranten. Für viele von ihnen dienten der Fall “Jalloh” und der Prozess auch als exemplarisch für das Verhalten der Polizei in Sachsen-Anhalt. Vor allem Schwarze in Dessau fühlen sich von der Polizei regelmäßig schikaniert - Vorfälle häufen sich, rechte und rassistische Straftaten würden nicht ausreichend verfolgt.
Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) zeigte sich über den Tod Oury Jallohs bestürzt und kündigte ein Disziplinarverfahren gegen die angeklagten Polizisten an. Die disziplinarrechtliche Verantwortung müsse unabhängig von der strafrechtlichen Schuld überprüft werden.
Dass der Glaube an die deutsche Justiz besonders unter den Afros in Deutschland mehr und mehr schwindet, verwundert nicht. Einige Gerichtsurteile der vergangenen Zeit scheinen den institutionellen Rassismus zu belegen. Erst in der vergangenen Woche wurde ein Bremer Arzt freigesprochen - ein Mann aus Sierra Leone starb nach einem umstrittenen Brechmitteleinsatz durch den Mediziner (klick HIER - reuters.com). Dagegen stehen Urteile, wie das gegen Tibor Sturm, einer unserer BK-Aktivisten. Er sitzt derzeit seine Haftstrafe in Bayern ab, weil er sich bei einem Angriff Rechtsextremer zur Wehr setzte und dabei einen der Angreifer so unglücklich traf, dass dieser ins Koma fiel (klick HIER).
Immer aktuell im Fall Oury Jalloh:
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh (klick HIER)
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh ruft auf zur bundesweiten Demonstration am 2. August 2008 in Dessau!
Treffpunkt: 13 Uhr - Hbf Dessau - Mobilisierungsvideo mit Mumia Abu Jamal